Morbus Kienböck


Synonym: Lunatumnekrose, Lunanummalazie
Bei dieser Erkrankung kommt es einer langsamen Absterben des Mondbeines (Os lunatum). Die Ursache ist bis heute ungeklärt. Man geht von einer Durchblutungsstörung aus. Es kann im Verlauf zu schweren Abnützungen (Arthrose) kommen.
Das Mondbein liegt zentral in der ersten Handwurzelreihe zwischen dem Kahn- und Dreiecksbein. Es bildet mit dem Kahnbein die Verbindung der Handwurzel mit der Speiche.
Problematisch an der Erkrankung ist, dass im Anfangsstadium I im Röntgenbild keine krankhaften Veränderungen vorliegen. Die Diagnose kann im Stadium I nur durch eine Magnetresonanz-Tomographie (MRT) mit Kontrastmittel gestellt werden.


Beschwerden


Zumeist wird ein Auftreten von Handgelenksbeschwerden ohne ein Unfallereignis geschildert. Bei der Untersuchung findet sich ein Druckschmerz im Bereich des Mondbeines am Handgelenk rückseitig sowie häufig eine mäßige Schwellung, sowie bei längerem Bestehen eine schmerzhafte Bewegungseinschränkung für die Handgelenkstreckung und -beugung.


Die Stadieneinteilung richtet sich nach dem Röntgenbefund:
Stadium I: unauffälliger Röntgenbefund, Knochenmarködem und fehlende Kontrastmittelanreicherung bei der MRT
Stadium II: verdichtetes Mondbein ohne Höhenminderung oder Fraktur
Stadium IIIa: Fraktur des Mondbeines mit beginnender Höhenminderung
Stadium IIIb: Kollaps der Handwurzel
Stadium IV: Handgelenksarthrose


Diagnose


Andere Ursache für Schmerzen an der Streckseite des Handgelenkes müssen ausgeschlossen werden. Es gibt mehrere Erkrankungen, die radiologischen Veränderungen am Mondbein einhergehen. Relativ häufig sind Knochenzysten (in der Regel ein intraossäres Ganglion) oder ein Anstoßen der Elle am Mondbein (Ulna-Impaction). Diese können durch MRT mit Kontrastmittel von der Mondbeinnekrose unterschieden werden. Nur extrem selten kommt es durch einen Unfall zu einem Bruch des Mondbeines.


Therapie


Die Behandlung richtet sich nach dem Stadium. Im Stadium I ist ein Behandlungsversuch durch Gipsruhigstellung für 4-12 Wochen gerechtfertigt. Regelmäßige klinische Kontrollen sowie eine MRT Kontrolle sind erforderlich.
Bei fortbestehenden Schmerzen sowie im Stadium II und IIIa wird bei zu kurzer Elle (Ulna-Minus) eine Verkürzung der Speiche durchgeführt. Dadurch verändern sich die Druckverhältnisse und das Mondbein wird entlastet. Dies kann zu einer Rückbildung oder Stabilisierung der Erkrankung führen.
Im Stadium IIIb kommt es durch die Höhenminderung des Mondbeines zu einem karpalen Kollaps. Dabei geht das Kahnbein zunehmend in Beugestellung. Ziel der Operation im Stadium IIIb ist eine Stabilisierung der Handwurzel durch Aufrichten des Kahnbeines sowie die Schmerzreduzierung. Dies gelingt mit einer Fusion von Kahnbein sowie Trapezium und Trapezoideum ( STT-Arthrodese). Der Eingriff führt zu einer Reduzierung der Schmerzsymptomatik und Verbesserung der Kraft bei nur geringer Einschränkung der Beweglichkeit. Die erforderliche Gipsruhigstellung beträgt 6 Wochen.
Alternativ besteht die Möglichkeit zur Entfernung der körpernahen Handwurzelreihe. Dabei werden Kahnbein, Mondbein und Dreieckbein entfernt (Proximal Row Carpectomy, PRC). Welches Verfahren angewendet wird, hängt vom Einzelfall ab.
Im Stadium IV ist es durch den fortgeschrittenen karpalen Kollaps zu einer Arthrose gekommen. Bei intakter Speichengelenkfläche im Bereich des Mondbeines besteht noch die Möglichkeit zur PRC. Eine vorübergehende Schmerzlinderung kann durch eine Durchtrennung der schmerzleitenden Nerven am Handgelenk (Denervation) erzielt werden. Eine sichere Schmerzreduktion wird durch eine Versteifung des Handgelenkes erreicht. Bei der Handgelenksarthrodese wird das Handgelenk durch eine vorgeformte Platte in funktionell günstiger Stellung versteift. Fingerbeweglichkeit und Unterarmumwendung bleiben unbehindert. Durch diesen Eingriff kann häufig auch bei großer Beanspruchung wieder eine gute Belastbarkeit erzielt werden. Die Platte wird in der Regel dauerhaft belassen. 

Mittlerweile ist es möglich, im Stadium III das brechende Mondbein durch ein mikrovaskuläres Transplantat aus dem medialen Femurkondyl teilweise zu ersetzten und die Gelenkfläche wie auch das Gefüge der Handwurzel zu rekonstruieren. Dabei wird aus einer unbelasteten Region des Kniegelenkes ein Knorpel-/Knochentransplantat gewonnen und unter dem Mikroskop an die Blutgefäße der Hand angeschlossen. Durch diese aufwändige Operation ist es möglich, die Nekrose des Mondbeines rückgängig zu machen und die Notwendigkeit eines "Rettungseingriffes" wie die STT-Arthrodese oder die PRC zu verhindern.