Handgelenksschmerz


Schmerzen im Handgelenk sind eine häufige Erscheinung und können die Lebensqualität und die Arbeitsfähigkeit stark beeinträchtigen. Oft wird leichtfertig eine „Abnutzung“(Arthrose) dafür verantwortlich gemacht. Die genaue Kenntnis der verschiedensten Ursachen solcher Beschwerden ermöglicht eine differenzierte und individuelle Abklärung und Behandlung. Die Basis ist eine genaue Befragung, eine klinische Untersuchung, sowie ein

Röntgen des Handgelenkes in 2 Ebenen (a/p und seitlich). Dabei ist es wichtig, dass der Patient bei der Aufnahme die Schulter 90° abspreizt und den Ellenbogen 90° beugt. Beim seitlichen Bild muss die Aufnahme mit einer Einneigung von 15° erfolgen. Wenn Sie das bereits zur Erstbegutachtung mitbringen, sparen Sie sich einen Weg.

Im Folgenden möchte ich einige mögliche Ursachen für Handgelenksbeschwerden näher beleuchten. Die Einteilung erfolgt nach Region.


Ellenseitiger Handgelenksschmerz


Ein häufiger Ort für Handgelenksschmerzen ist die Ellenseite (Kleinfingerseite) des Handgelenkes. Das Drehgelenk des Unterarmes, das distale Radioulnargelenk (DRUG), wird von der Elle und der Speiche gebildet. Die Speiche dreht sich bei der Unterarmdrehung um die Elle. Dieses Drehgelenk wird dabei im Alltag permanenter Belastung ausgesetzt. Ein Bandkomplex zwischen Elle und Speiche, der sog. TFCC (triangulärer fibrokartilaginärer Komplex) stabilisiert das distale Radioulnargelenk und sorgt dafür, dass die Gelenkführung und Stabilität gewährleistet sind. Ein Teil dieses TFCC ist der sogenannte Diskus triangularis. Er spannt sich wie eine Hängematte über dem Ellenköpfchen und grenzt das Köpfchen der Elle wie ein Puffer gegen Mondbein (Lunatum) und Dreiecksbein (Triquetrum) der Handwurzel ab. Je nach Längenverhältnis der Elle und der Speiche zueinander ist der Diskus dünner oder dicker.
Diese Region ist besonders bei Drehbelastungen im Alltag, beim Sport aber auch bei Verletzungen gefährdet. Sowohl durch allmähliche Abnutzung aber auch als Folge von Stürzen (Distorsion, Radiusfraktur) können hier Einrisse am Diskus triangularis entstehen. Meist kommt es dabei zu einer Synovialitis (Entzündung der Gelenkschleimhaut) in diesem Bereich, die zu den typischen Beschwerden führt.


Beschwerden


Es besteht eine Schwellung und ein Druckschmerz über dem ellenseitigen Handgelenk, der sich bei Drehung mit Belastung (z.B. Auswringen eines Lappens, Tragen einer Getränkekiste, Öffnen eines Drehverschlusses) verstärkt. Auch längeres Arbeiten an der Tastatur mit abgewinkeltem Handgelenk und nach unten gedrehter Handfläche (Pronation) verstärkt die Beschwerden. Verschiedene Techniken bei der klinischen Untersuchung weisen auf eine Diskusläsion oder ein Ulna-Impaction-Syndrom hin.


Natürlich kann auch eine Abnutzung im DRUG solche Beschwerden verursachen. Andere Ursachen für Schmerzen in diesem Bereich sind eine Einengung des Nervus Ulnaris (Syndrom der Loge De Guyon), Bandinstabilitäten, eine Instabilität der Sehne des Musculus extensor carpi ulnaris, eine Pisotriquetralarthrose, ein ulnares Handgelenksganglion oder auch eine angeborene Madelung Deformität.


Diagnose


Befragung und klinische Untersuchung sind richtungsweisend zur Diagnose. Auf dem Röntgenbild erfolgt eine Längenbestimmung der beiden Unterarmknochen zueinander (Ulnavarianz). Eine Belastungsaufnahme, bei der die Faust kräftig geschlossen wird, kann notwendig sein.
Besteht danach Unklarheit oder werden andere Veränderungen vermutet, so ist eine MRT mit Kontrastmittel, möglichst in einem Gerät mit Handspule, der nächste Untersuchungsschritt.


Ulnavarianz, Ulna-Impaction-Syndrom


Eine entscheidende Bedeutung für die Diagnose und die Planung der Therapie stellt das Längenverhältnis zwischen Ulna (Elle) und Radius (Speiche) dar, die sog. Ulnavarianz. Ist die Elle kürzer als die Speiche, so spricht man von Ulna-Minus, ist sie länger von Ulna-Plus. Alleine die Längenvariante ist nicht unbedingt ein krankhafter Faktor. Hinzu kommt, dass die Elle bei Faustschluss unter Belastung bei Einwärtsdrehung (Pronation) eine unterschiedliche Tendenz zur Verlagerung nach in Richtung Handwurzel hat. Dies können im Extremfall einige Millimeter sein. Dadurch verstärkt sich der Druck auf den Diskus triangularis bei Belastung.
Kommt es zu einer erheblichen Verlagerung in Richtung Handwurzel, so spricht man von Ulna-Impaction. Dabei kommt der Diskus triangularis im Laufe des Lebens immer und immer wieder unter Belastung und kann mit der Zeit zermalmt werden. Es kommt dann zum Knorpelschaden am Ulnaköpfchen und im Bereich des ulnarseitigen Mondbeines.


Therapie


Die Feststellung einer Diskusläsion alleine ist an sich kein Grund für eine operative Therapie. Erst entsprechende Beschwerden rechtfertigen eine Operation.


Arthroskopie


Wenn die Indikation zur operativen Behandlung besteht, so ist die Spiegelung des Handgelenkes die Behandlung der Wahl. Dabei wird mit einer Kamera in das Gelenk eingegangen und mit Instrumenten (Zangen, Shaver) eine Behandlung durchgeführt. Instabile Ränder des Diskus werden abgetragen und entzündlich veränderte Gelenkschleimhaut entfernt (Synovialektomie). Dabei können auch der Knorpel und die Handgelenksbänder beurteilt werden. In einem hohen Prozentsatz der Fälle können die Beschwerden damit beseitigt werden.


Liegt ein frischer Abriss des Diskus triangularis vor, so kann dieser refixiert werden. Eine Nachbehandlung mit Oberarngips für 6 Wochen ist dann notwendig.


Liegt aber eine Ulna-Plus-Variante vor und bestehen weiter Beschwerden, so ist die Ellenverkürzungsosteotomie der nächste Behandlungsschritt. Diese kann gegebenenfalls in gleicher Sitzung durchgeführt werden. Die Elle wird über einen ca. 8cm langen Hautschnitt um wenige Millimeter verkürzt und mittels einer Winkelstabilen Platte stabilisiert. Eine Gipsruhigstellung ist meist nicht notwendig, eine Schonung für 4-6 Wochen ausreichend. Eine Materialentfernung erfolgt nach 6 Monaten.


Speichenseitiger Handgelenksschmerz


Auch hier liegen die Ursachen vielschichtig und bedürfen einer genauen Abklärung. Eine der häufigsten Ursachen ist eine chronische Entzündung im 1. Strecksehnenfach, die sogenannte

Tendovaginitis De Quervain

 Zumeist durch Überbeanspruchung besteht hier eine relative Enge der Daumensehnen in ihrem Sehnenfach über dem Griffelfortsatz der Speiche. Lokaler Druckschmerz, Schwellung und ein spezifischer, klinischer Test stellen die Diagnose. Oft erspart ein kleiner chirurgischer Eingriff, bei dem das Sehnenfach gespalten wird, einen langen Leidensweg mit Schienen und Infiltrationen. Die Operation kann ambulant in Lokalanästhesie durchgeführt werden.


Weiters kommen Nervenkompressionssyndrome wie das Wartenbergsyndrom, Handgelenksarthrosen, Rhizarthrose, Ganglien, Instabilitäten der ersten Handwurzelreihe durch übersehene oder fehlverheilte Verletzungen als Ursache für einen radialen Handgelenksschmerz in Frage. Bei einem rezenten Trauma müssen natürlich frische Knochen- oder Bandverletzungen abgeklärt werden.

 
Beugeseitiger Handgelenksschmerz


Hier spielen vor allem die Strukturen des Karpalkanals eine Rolle. Entzündungen der Beugesehnenscheiden entstehen meist durch Überlastung und kommen dann konservativ zur Ausheilung. Sind sie durch rheumatische Erkrankungen bedingt, kann eine operative Entfernung der Sehnengleitgewebe erforderlich sein (Synovialektomie). Außerdem führen diese Prozesse im Karpalkanal nicht selten zu einer Einengung des mittleren Handnerven (N. medianus), was ein Karpaltunnelsyndrom verursachen kann. Auch Sehnenengen wie beim schnellenden Finger können in das Handgelenk ausstrahlen.
Ganglien, Arthrosen wie auch akute Entzündungen sind ebenfalls relevant. Besonders gefürchtet ist die sogenannte Hohlhandphlegmone. Bei dieser eitrigen Entzündung der Beugesehnenscheiden der Hand ist eine sofortige, chirurgische Entlastung und Säuberung notwendig, will man hier nicht bleibende Schäden der Handfunktion riskieren.


Streckseitiger Handgelenksschmerz

 
Auch hier sind Sehnenscheidenentzündungen eine häufige Ursache für Beschwerden, wie auch Ganglien, frische und alte Verletzungen. Auch bei unauffälligem Röntgen darf die Möglichkeit einer Lunatummalazie nicht außer Acht gelassen werden. Besonders junge Frauen leiden gelegentlich an einer

Mediokarpalen Instabilität

Das ist eine Hypermobilität mit Schnappphänomen der beiden Handwurzelreihen zueinander. Physiotherapie mit handgelenksstabilisierenden Maßnahmen kann hier helfen. Zumeist vergehen die Beschwerden mit zunehmendem Alter. Eine Operationsindikation ergibt sich erst bei älteren Patienten.


Carpe bossu

 ist ein Knochenanbau an der streckseitigen Basis des 2. oder 3. Mittelhandknochens. Es entsteht durch wiederholte Traumata oder Bandinstabilitäten. Bei entsprechenden Beschwerden kann der überschüssige Knochen abgemeißelt werden.